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Eminem – Revival | BOOOM… oder auch nicht, oder nur so halb oder naja…

Eminem Revival Review

Genrewechsel, liebe Leute!
Heute befassen wir uns mit der neuen Scheibe von Eminem, die auf den passenden Titel Revival hört. Warum das ganze passend ist? Naja, Eminem ist nach längerer Abstinenz wieder da, und das durchaus eindrucksvoll, war mein erster Eindruck.

Aber von vorne: Wir haben 19 Tracks verteilt auf 77 Minuten und was mir direkt auffiel ist, dass diesmal auffallend viele Features dabei sind, allerdings durch die Bank weg namhaft (Beyoncé, Ed Sheeran etc.). Ist eigentlich etwas ungewohnt für Em, aber ok, mal schauen, was die alle können.

Walk on Water kann auf jedes Fall einiges und ist ein echt guter Opener. Das liegt zu einem nicht geringen Teil an Beyoncé, denn Eminem lässt hier nicht einmal einen Bruchteil seines Könnens aufblitzen. Das ist aber absolut in Ordnung, denn die Stimmung, die hier vermittelt wird, baut sich wunderbar auf. Es geht auf dem Track hauptsächlich darum, wie sich der Druck beim Musik schreiben auf den Künstler auswirkt, und der Song fängt Eminem’s Gefühlswelt klasse ein. Noch ein bisschen Motivationsrede zusammen mit einem groß komponierten Instrumental im Hintergrund und zack – Atmosphäre für den Rest des Albums geschaffen. Auch wenn der Track nach drei Minuten ruhig das Schlagzeug aus der Hook hätte übernehmen dürfen.

Mit Believe, beziehungsweise eigentlich schon den letzten Sekunden des Openers ändert sich der Stil zunächst aber rapide und jetzt kommt auch durch, was Em alles draufhat. Es finden sich mehrere traumhafte Spielereien im Flow auf minimalistischem Beat, was die Stimme und Betonung noch zusätzlich unterstreicht. Es wird also innerhalb der ersten neun Minuten klar, dass hier jemand dran gearbeitet hat, der Ahnung vom Komponieren hat. Hier will ich unbedingt den Übergang zwischen Verse und Hook hervorheben: eine super simple, aber effektive raue Betonung.

Ich will nicht immer wieder auf die Lyrics der einzelnen Tracks eingehen, deswegen hier ein generelles Bild: Es geht um viele politische Themen, allem voran natürlich um US-Präsident Donald J. Trump. Aber nicht nur, auch die persönliche Geschichte des Rappers tritt immer wieder in den Vordergrund. Euch fehlen aber trotzdem nicht die Stimmungsmacher á la My Name is, also wurde hier vieles richtig ausgewählt. Jetzt aber weiter im eigentlichen Programm.

Genauso wenig will ich euch jeden Track in Einzelteile zerlegen, ihr sollt ja selber noch was zu erkunden haben. Deswegen lasse ich Chloraseptic und Untouchable mal kurz außen vor, der zuletzt genannte kam ja ohnehin schon als Single vorher raus. Deswegen machen wir mit einem meiner persönlichen Highlights weiter. River, zusammen mit Ed Sheeran. Beide haben einfach eine tolle Stimme, keine Frage. Aber was den Track ausmachen und wer auch immer sich folgende Kleinigkeit ausgedacht hat, vor dem knie ich nieder: Wenn die Hook beginnt, rechnet jeder auf dem ersten Schlag damit, dass die Snare einsetzt. Da ist aber keine Snare, da ist ein Ton auf dem Piano. Und die Snare kommt erst mit dem zweiten Schlag. Das gibt der Hook so viel mehr Power, weil man sich richtig krass reinlegen kann.

Dann kommt das Intro zu Remind Me und während das Intro viel hoffen lässt, war ich danach enttäuscht, denn obwohl ich I Love Rock`n`Roll wirklich mal mochte und absolut nichts gegen ein Sample habe, ist das echt irgendwie lahm. Sorry, aber der Song ist doch ausgelutschter als Wassereis. Aber wenn euch das Sample gefallen sollte, dann habt ihr hier den eben angesprochenen Stimmungsmacher, denn der Rest vom Track ist echt in Ordnung.

Mit Like Home (feat. Alicia Keys, auch eine tolle Stimme by the way) habt ihr danach einen Track um euch wieder was zu entspannen, ohne gelangweilt zu werden. Genau deswegen wahrscheinlich mein zweites Highlight.
Zu Bad Husband sage ich euch jetzt mal nahezu nichts, weil ich mir selber nicht sicher bin, ob ich das Stück absolut toll oder großen Mist halte. Also bildet euch eure eigene Meinung, das wird das Beste sein. Was ich sicher sagen kann ist, dass mich das Thema des Tracks ein bisschen überrascht hat, um ein letztes Mal auf die Lyrics einzugehen. Sonst ist Eminem ja eher weniger gut auf Kim zu sprechen, aber der Track klingt sehr nach Entschuldigung und Reue. Zusätzlich könnt ihr hier aber nach der zweiten Hook die bis jetzt beste Stelle des gesamten Albums finden, wenn es euch um Eminem’s Technik geht, diese Passage ist beeindruckend.

Jetzt schlage ich mal zwei Fliegen mit einer Klappe. Bei den Tracks Tragic Endings und bei Need Me mit Skylar Grey und P!nk stört mich sehr, dass die beiden Features jeweils ein akustisches Übergewicht haben. Man hätte hier besser schreiben sollen, dass Eminem der Feature-Gast ist, denn so erscheint es. Ich kann sonst aber wieder kaum Schlechtes sagen, außer dass mir die Stimme von Skylar Grey unglaublich auf die Nerven geht. Ich weiß aber nicht warum, sorry an Fans da draußen.
Danach kommen ein paar Tracks, die zwar gut, aber nichts Besonderes sind. Auf Offended habt ihr kurz nochmal einen Throwback Richtung Doubletime, aber danach war es das aber. Der Rest des Albums ist wenig erwähnenswert – leider.

Ich habe echt viel Gutes und quasi nichts Schlechtes über das Album gesagt, also lasst mich erklären: Das ist ein tolles Album, aber mir fallen zwei Sachen am Ende sehr negativ auf. Eminem hat viele Namen aus dem Pop-Bereich mitarbeiten lass, was an sich nichts Schlimmes ist. Aber er scheint sich doch ein wenig zu wohl dabei zu fühlen, ein bisschen wie ein Gast auf der eigenen Platte zu sein, und das wird seinem Anspruch nicht gerecht. Und zweitens wirken die Texte, vor allem die politischen, sehr gezwungen. Klar, man kann viel besser mit Technik und Skill angeben, wenn man sich die Reime leicht zurechtlegt, aber krasse lyrische Highlights bleiben dann aus. Und das ist das Zeichen, dass die große Zeit des Eminem eventuell vorbei ist, so schade ich das finde. Andererseits sagt er selbst auf Castle, dass er jetzt zu 100% fertig mit dem Schreiben von Musik ist, was leider eventuell auch besser so ist. Mein Gott, ist es schwer, das zu schreiben.

Ein musikalisch top produziertes Album, was an den eigens gesetzten Maßstäben gemessen leider nach mehrmaligem Hören ein wenig scheitert.

Review overview

Gesamt:6.5

Summary

6.5Wenn ich drei Songs wählen müsste: Dann würde ich nur zwei wählen, und als mir das aufgefallen ist, viel mir nach und nach immer mehr auf, was mir nicht in mein Weltbild gepasst hat. Es sind auf jeden Fall River und Like Home, warum, das habe ich ja schon geschrieben.

Tags : pop
Alex
„Lass mich mit deinem Gezappel in Ruhe, ich muss die Musik fühlen!“ Ungefähr so fühle ich mich immer wieder auf diversen Konzerten. Es kommt doch auf die ganzen kleinen Teile an, die das Ganze erst so toll machen. Und diese Faszination will ich mit euch teilen, also folgt mir auf meine kleine Reise durch alle Genres.

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