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Dragonforce – Reaching Into Infinity | Genremix extrem

Dragonforce - Reaching Into Infinity Review

Schnell, schneller, Dragonforce! Fernab jeglicher Geschwindigkeitsnorm sprengt die Band nun auch sämtliche Genre-Grenzen und ist mit ihrem neuen Album Reaching Into Infinity am Höhepunkt ihres Schaffens angelangt!

Who the fuck are… | Dragonforce

Dragonforce sind eine Power-Metal-Band aus London, die jedoch der lebende Gegenbeweis zu „Multikulti ist gescheitert!“ sind: Neben England stammen die Mitglieder der Band aus Hongkong, Frankreich, der Ukraine und Italien. Die Band wurde 1999 gegründet und erreichte ihren internationalen Durchbruch mit dem Song Through the Fire and Flames (noch mit Ex-Sänger ZP Theart, übrigens aus Südafrika), den die Band zur Rockstar-Simulation Guitar Hero III beisteuerte und der durch seine atemberaubende Schwierigkeit bestach (ich selbst war auf Experte recht passabel, bin aber auf Schwer regelmäßig an diesem Song gescheitert). Aufgrund dieser Geschwindigkeit und dem für das Genre vergleichsweise hohen Härtegrad hat das Ex-Label der Band sich die Genrebezeichnung „Extreme Power Metal“ einfallen lassen.

Dragonforce – Reaching into Infinity | Die Fakten

Name: Reaching Into Infinity
Genre: (Extreme) Power Metal
Länge: 60 Minuten
Release: 19. Mai 2017
Label: ear Music

Dragonforce – Reaching into Infinity | Die Review im Detail

Das Album beginnt mit einem kurzen, Spannung aufbauenden Intro, bevor zu Beginn von Ashes of Dawn ein für die Band eher untypisches Riff ertönt. Doch kurz darauf holt die Band jeden Dragonforce-Fan ab: Der Start in den jüngsten Output gelingt mit den gewohnt unwiderstehlichen Hooklines und der bekannt herausragenden Instrumentalarbeit an allen Fronten. Denn wenn Dragonforce für eines berühmt (und berüchtigt? Für ungeübte Ohren kann die Band sehr anstrengend sein, ich spreche da aus Erfahrung) sind, dann sind es die Gitarrensoli, mit denen sich die Gitarristen Sam Totman und Herman Li duellieren. Doch auch Schlagzeuger und Neuzugang Gee Anzalone, Keyboarder Vadim Pruzhanov und Bassist Frédéric Leclercq stehen dem in Nichts nach und beweisen dies auch auf Reaching into Infinity.

Mit Judgement Day auf Position Drei erwartet den Hörer bereits das erste große Highlight des Albums. Das elektronische Intro weckt zunächst Erinnerungen an die eher dunklen Seiten der 90er, macht aber unmissverständlich klar: Das hier ist Vadims Song! Der Keyboarder, der hier auch einmal ausnahmsweise Songwriting-Credits einstreichen kann, ist während des gesamten Songs sehr präsent. Der Song enthält alles, was das Fanherz begehrt: Für das Genre untypische, aber von Dragonforce regelmäßig eingesetzte Blast Beats, sagenhafte Melodien und einen Soloteil, der einem den Atem raubt. Es eröffnet Vadim, danach folgt ein Soloduell der Extraklasse zwischen den beiden Gitarristen. Der Schlussteil wiederum ist untypisch, getragen und mit Chören, die live zum Mitsingen einladen werden. Judgement Day macht unmissverständlich klar: Die Band ist auf dem Höhepunkt ihres Schaffens!

Der Rest des Albums bestätigt diesen Eindruck. Die Geschwindigkeit ist konstant (sehr!) hoch, was in Astral Empire einen Höhepunkt findet. Der Song enthält nebenbei einen proggigen Solopart mit einem grandiosen Basssolo(!). Dragonforce bedienen sich zuckersüßer Melodien, die sofort ins Ohr gehen und diesem unwiderstehlich schmeicheln. Für Metalpuristen und Anhänger des Trve Kvlt sei also eine Warnung ausgesprochen: akute Zuckerschockgefahr! Der (Genre-)Fan wird jedoch genau da abgeholt, wo er steht.

Dragonforce beweisen auf Reaching into Infinity aber, dass sie nicht nur ihr eigenes Genre perfekt beherrschen, sondern auch vor Genregrenzen nicht Halt machen: Mit War! starten Dragonforce einen Ausflug in Richtung Thrash Metal! Das wütende, erbarmungslose Riff macht klar, dass dieser Song keine Gefangenen machen wird. Besonders glänzen kann Sänger Marc Hudson, dem es gelingt, Thrash-typisches, wütendes Gebelle und melodischen Gesang perfekt zu verbinden. Im starken Mittelteil gehen die Fäuste dann automatisch in die Luft. Ein gelungenes Experiment, das ich auf der kommenden Tour auf der Setlist sehen möchte!

Auch das für mich unangefochtene Highlight des Albums überschreitet Genregrenzen. Die Rede ist von dem elfminütigen Epos The Edge of the World. Der ruhige Beginn und das folgende, schwere Riff lassen aufhorchen: Epic Metal! Und wieder Marcs angerauter Gesang. Dem Song gelingt es, Spannung aufzubauen, auch und gerade durch den ruhigeren Mittelpart mit getragenen Gitarren. Diese Spannung entlädt sich in einem unerwarteten Ausbruch: Ein Death-Metal-Part, in welchem Marc zu (sehr gelungenen!) Growls greift! Statt der gewohnten zuckersüßen Melodien erklingen plötzlich Dissonanzen, bevor der Song wieder zum Epic Metal zurückkehrt und im Outro das Intro wieder aufgreift. The Edge of the World ist ein großartiges, überraschendes Stück Musik, das ich Dragonforce nicht zugetraut hätte und das mich mit offenem Mund zurücklässt. Dieser Song sei auch jedem ans Herz gelegt, der mit melodischem Metal wenig anfangen kann.

Das Album endet mit dem typischen, gelungenen Rausschmeißer Our final Stand. Mit Reaching into Infinity haben Dragonforce bewiesen, dass sie nach dem herausragenden Maximum Overload weiterhin in Höchstform sind und wecken Vorfreude auf die anstehende Tour. Hierzu noch ein Wort: Die sich hartnäckig haltenden Gerüchte über die mauen Livequalitäten der Briten sind Quatsch. Also: hingehen!

Meine Top 3

  • The Edge of the World
  • Judgement Day
  • Curse of Darkness

Für Fans von…

  • Helloween (auf Speed)
  • Gamma Ray
  • Orden Ogan
  • Im Falle von The Edge of the World: Atlantean Kodex

Tourdaten für Deutschland

23.10. Essigfabrik, Köln
24.10. LKA Longhorn, Stuttgart
25.10. Backstage, München
02.11. Columbia Theater, Berlin
04.11. Schlachthof, Bremen

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Review overview

Gesamt:9

Summary

9Mit Reaching into Infinity haben Dragonforce bewiesen, dass sie nach dem herausragenden Maximum Overload weiterhin in Höchstform sind und wecken Vorfreude auf die anstehende Tour.

Stefan
Sozialisiert wurde er von der besten Band der Welt – die ärzte. Schon bald entdeckte er die wundervolle Welt des Metal und radikalisierte sich wie ein einsamer Wolf immer weiter und genießt inzwischen alles von Heavy bis Black Metal. Nicht im Traum kann er an einem Moshpit vorbei, ohne selbst ein wenig Verwüstung zu hinterlassen.

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