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Gotthard – Silver | Nett, aber nichts Neues

Gotthard Silver Review

Review overview

Gesamt:6.5

Summary

6.5Es gibt Tage, an denen braucht man im Hintergrund Gedudel, das schön klingt, nicht auffällt, aber trotzdem gut gemacht ist. Für solche Momente ist dieses Album perfekt. Das erste Drittel ist nichtssagend nett, das zweite Drittel dann schon fast gut und der Rest ist mit zwei phänomenalen Songs z.T. richtig stark. Wieso aber nicht mehr davon? Trotzdem kann man Silver einfach nicht nicht mögen. Denn wie soll man ein so platt gebügeltes Album in so guter Produktion wirklich schlecht finden?

Dieses Album war auf vielen, vielen Eben eine schwere Geburt. Erst wollte ich mir das im Februar erschienene Jubiläumswerk Silver von Gotthard gar nicht kaufen. Letztendlich siegten aber wie so oft Neugier und die Lust auf Weichspül-Rock. Letzteres bekam ich dann allerdings erst in einer Überdosis. Dann wurde das Album aber besser. Und plötzlich echt gut. Ein Erlebnis in drei Teilen.

Who the fuck are… | Gotthard

Gotthard sind eine (Hard) Rock Band aus der Schweiz. 1991 als Krak gegründet, benannten sich die Schweizer auf Anraten von ihrem damaligen Mentor Ex-Krokus-Bassist Chris von Rohr kurze Zeit später in Gotthard um. Ein Jahr später unterschrieben sie unter neuem Namen den ersten Plattenvertrag. 11 von 12 Studioalben marschierten daraufhin direkt auf Platz 1 der Schweizer Charts. Nicht einmal die international erfolgreichere Band Krokus kann da mithalten.

2010 verstarb der Sänger Steve Lee bei einem Verkehrsunfall. Für die verbliebenen Bandmitglieder stand jedoch schnell fest, dass das nicht das Ende von Gotthard bedeuten sollte. Mit Nic Maeden als neuen Frontmann und Sänger setzten die Schweizer ihre Platz 1 Platzierungen fort.

Gotthard – Silver | Die Fakten

Name: Silver
Genre: Rock
Länge: 57 Minuten
Release: 13. Januar 2017
Label: Nuclear Blast

Gotthard – Silver | Die Review im Detail

Silver River ist als Opener im ersten Moment gar nicht schlecht. Der fancy Chor am Anfang macht schon einiges her und auch der Sound hält mit. Der ist zwar weichgespült á la Bon Jovi, aber genau das wollte ich. Was ich allerdings nicht wollte, ist ein Song, der über eine Endlosschleife aus ganzen zwei Worten und einem schnarchlangweiligem Riff nicht hinaus kommt. Wer hätte gedacht, dass man einen Songtitel so oft in ein Lied stopfen kann.

Genauso belanglos geht es mit Electrified und der im Vorfeld ausgekoppelten Single Stay With Me weiter. Von Hard Rock keine Spur, dafür wurde bei der Produktion zu sehr das Bügeleisen geschwungen. Alles ist so lange durch die Mangel gezogen worden bis wirklich keine akustischen Kanten mehr zu hören sind – Bryan Adams & Bon Jovi lassen grüßen. Das ist auch vollkommen okay, denn die beiden sind spitze. Aber es gibt sie eben schon.

Es bricht mir ein bisschen das Herz, weil Gotthard da ja keine schlechten Songs rausgehauen haben, nur sind sie alle schon mal da gewesen – belanglos, austauschbar, aber doch cool. Als Hintergrundmusik. Zum aktiven Hinhören fehlt bei den Anfangssongs einfach der Köder.

Mit Beautiful erreicht Silver dann einen unerträglichen Tiefpunkt. Hier haben wir die abartigste Form der Brech-Ballade im Schleim-Rocks. Wenn man Kid Rock in Weichspüler ertränkt, dann bleibt am Ende Beautiful übrig.

Nachdem ich an dieser Stelle aller Hoffnung auf ein gutes Album beraubt wurde, kommen die Schweizer mit Everything Inside, Reason For This und Miss Me um die Ecke. Die satten Gitarren tun Songs und Album richtig gut und lockern den festgefahren Trott endlich auf. Gerade Reason For This geht ins Ohr und lässt auch so etwas wie einen Songaufbau erkennen.

Wieso nicht gleich so? Es geht doch!

Und dann haben Gotthard es doch geschafft. Nach acht Tracks packen sie endlich all das aus, was ich von den Schweizern erwartet habe. Tequila Symphony No. 5 ist wegen des Titels schon der beste Song des Albums. Tiefe Gitarrenriffs treffen auf den possierlichen Weichspül-Sound, der sich zwar ins Gesamtwerk Silver einfügt, aber keinesfalls langweilig daher kommt. Der Refrain ist ein Ohrwurm, der ganze Song fast sowas wie ein Brecher, der auch auf Dauer-Repeat noch richtig, richtig Spaß macht.

Als wäre damit ein Knoten geplatzt, überzeugt auch der Rest. Wieso bitteschön nicht vorher so? Es geht doch offensichtlich!

Dass Nic Maeder es wirklich drauf hat, zeigt er in Why. Der Track ist musikalisch nicht raffiniert, aber Maeder trägt ihn hier problemlos allein. Genauso überraschend kommt Only Live Is Real daher. Drehen sich alle Texte nur um Liebe, Glück und Sehnsucht, heißt es plötzlich „We’ve got a world to save“. Ein kleines Stück des Weltretter-Feelings gepaart mit sanftem Weltschmerz macht sich breit, wie man es von Songs wie Imagine kennt – hochgestapelt, aber der Song macht eben etwas mit einem.
Gotthard arbeiten hier plötzlich mit Atmosphäre und Dramatik. Das Schlagzeug treibt voran und die klassischen Elemente unterstreichen ausnahmsweise nicht den Kitsch, sondern bereichern das Hörerlebnis. Dazu ein Text, der den Hörer nicht unberührt zurücklässt.

Schade, dass man Only Love Is Real nicht ans Ende gesetzt hat. Alles danach kann nämlich nur noch holprig klingen. My oh My ist nett, aber eher eine verrutschte Pretty Maids Nummer und bei Blame On Me hatte man mal wieder zu sehr Kid Rock auf die Finger geschaut.

Trotzdem klingen die beiden Songs gut. Wie alle Songs (Beautiful lasse ich gekonnt unter den Tisch fallen) eigentlich. Die Produktion ist gut, Maeders Stimme braucht sich hinter seinem Vorgänger Steve Lee nicht zu verstecken und mit Tequila Symphony No. 5 und Only Love Is Real sind auch phänomenale Songs dabei. Aber wieso gibt es davon nicht mehr? Wieso rutscht der Großteil in Belanglosigkeit ab? Gotthard können es doch.

Ich bleibe ratlos zurück. Trotzdem mag ich’s.

Für Fans von…

  • Bon Jovi
  • Bryan Adams
  • Kid Rock

Meine Top 5

  1. Tequila Symphony No 5
  2. Only Love Is Real
  3. Reason For This
  4. Why
  5. Everything Inside

Was sagt ihr zu Gotthard?
Mich würde aber auch interessieren, ob ihr auch solche Alben habt, mit denen ihr eine eher holprige Beziehung führt?

Gotthard auf Tour

Special Guests: Pretty Maids

09.02.2017 DE – Ravensburg, Oberschwabenclub
10.02.2017 DE – Regensburg, Airport Obertraubling
11.02.2017 DE – Ulm, Ratiopharm Arena
13.02.2017 DE – Frankfurt, Batschkapp
14.02.2017 DE – Hamburg, Markthalle
15.02.2017 DE – Hannover, Capitol
17.02.2017 DE – Osnabrück, Hyde Park
18.02.2017 DE – Oberhausen, Turbinenhalle
19.02.2017 DE – Freiburg, Zäpfle Club
22.02.2017 IT – Milan, Alcatraz
24.02.2017 ES – Bilbao, Santana 27
25.02.2017 ES – Madrid, La Riviera
26.02.2017 ES – Barcelona, Razzmatazz 2
02.03.2017 DE – Munich, Tonhalle
06.03.2017 AT – Vienna, Gasometer
07.03.2017 DE – Nuremburg, Löwensaal
08.03.2017 DE – Saarbrücken, Garage
10.03.2017 DE – Balingen, Volksbankmesse

Miriam
Sie ist die Immer-In-Der-Ersten-Welle-Steherin. Meistens am Rand des Moshpit aufzufinden, um sich jederzeit in die Massen werfen zu können. Mit den Wurzeln im Punk Rock und der Faszination im Heavy Metal hört sie alles, was leise nicht zu ertragen ist und laut nie wieder aus dem Kopf geht.

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