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Hot Water Music – Light It Up | Ruhig ist relativ

Hot Water Music - Light It Up Review

Light It Up heißt die neue Platte von Hot Water Music. Chuck Ragen schreit sich alle lebenswichtigen Organe zum Hals raus und der Sound ist eine ambulante Kieferkorrektur per Kaltverformung. Damit ist eigentlich alles gesagt…fast.

Fangen wir vorne an: 5 Jahre mussten wir auf den Nachfolger von Exister warten und es hat sich gelohnt. Im Gegensatz zu älteren Alben fehlt der neuen Scheibe der Herren aus Gainesville, Florida streckenweise die rohe Gewalt. Das ist überhaupt nicht schlecht, man könnte sogar fast von einer gewissen “Altersmilde” sprechen, aber Hot Water Music Altersmilde zu unterstellen wäre etwa so, als würde man Rainer Calmund unterstellen er wäre zu schlank.

Gleich am Anfang überrascht die Platte. Denn, wenn man vorsichtig aus der Deckung kriecht, erwartete man eigentlich von einer wütenden Meute Punk Rockern zu Tode getrampelt zu werden oder durch das Geschrei von Chuck Ragan einen sofortigen Hörsturz zu erleiden. Klar, leise Töne waren noch die Baustelle von Hot Water Music, aber Complicated ist zwar ein geiler Song, aber als Opener ein bisschen schwach auf der Brust. Direkt darauf folgt der Titelsong Light It Up der mich so verwirrte, dass ich nachsehen musste, ob sich nicht zufällig eine meiner alten Pennywise-Scheiben verirrt hatte. Denn die Geschichte klingt nach Kalifornien in den späten 90er Jahren und zwar nach allen Regeln der Kunst. Von einer zweiten Gitarre ist weit und breit keine Spur, das Tempo springt Seilchen mit der Geschwindigkeitsbegrenzung für Hot Water-Songs außerorts und der “Ohhhohhhh” Chor im Refrain lässt frühe Jugenderinnerungen an Pennywise und Bad Religion wieder aufleben.

Musikalisches Highlight von Light It Up ist Sympathizer. Warum? Weil es eine absolut affengeile Downtimenummer mit einer unfassbaren Dynamik ist. Die Strophen bauen von “für Hot Water Verhältnisse ruhig” zu “hier fliegt gleich der Laden auseinander” auf. Der Refrain ist eher von unspektakulärer Natur und schließt sich eher als Interlude an die Strophen an, anstatt das zentrale Element des Songs zu sein. Dafür prügelt die Bridge durch das ewig langsame Tempo, der Gitarrenwand und dem Geschrei des Gitarristen und Frontmanns eine brachiale Energie durch die Lautsprecher, dass man versucht ist, laut schreiend die Schränke samt Inhalt aus dem Fenster zu schmeißen.

Ganz zum Schluss beantworten die Herren um Chuck Ragan mit Take You Away noch die brennende Frage wie Bruce Springsteen auf Drop-D und ohne behämmerte Tröten geklungen hätte. Die Geschichte klingt nämlich nach einer verdammten Rock Hymne, die man am besten auf einer Landstraße bei “10 mehr als erlaubt” auf sich wirken lässt.

Hot Water Music sind insgesamt definitiv etwas ruhiger geworden, aber gleichen das mit Brettern wie Light It Up und Vultures mehr als aus. Light It Up ist keine typische Hot Water-Platte. Man merkt, dass Quartett aus Gainesville in den vergangenen Jahren viele neue Einflüsse gesammelt haben und das tut dem Sound unglaublich gut, weil er neues aufgreift aber altbewährtes nicht außer Acht lässt.

Anspieltipps: Sympathizer, Light it Up, Take You Away
Für Fans von: Bouncing Souls, Alkaline Trio, The Gaslight Anthem

Hot Water Music – Light It Up | Die Fakten

Album: Hot Water Music – Light It Up
Genre: Post-Hardcore/Punk Rock
Länge: 12 Songs – 35 Minuten
Release: 15.09.2017
Label: Rise Records

Who the Fuck is… | Hot Water Music

Meine Damen und Herren, wir reden hier über Urgesteine des Post-Hardcore, Punk Rock und so weiter. Wahrscheinlich hat Chuck Ragan während des Pleistozäns schon dem ein oder anderen Mammut seine Trusty Chords vorgespielt. Die Bilanz 8 Studioalben unzählige EPs und einen Megahit mit eben diesen Trusty Chords, die, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, von jedem Mitglied der Revival Tour bereits nachgespielt wurde. Naja sie sind ja auch nicht schwer:
D, A, Bm!

Review overview

Gesamt:8.5

Summary

8.5

Tags : punk rockrock
Daniel
Musikalisch in vielen Welten zu Hause, gelingt der fließende Wechsel von elektronischer Utz-Utz-Musik bis hin zu verrücken Post-Hardcore immer. So lange es groovt oder rockt, aber vor allem ehrlich ist, landet es auf dem Plattenteller.

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