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Zach Mathieu – Highs and Lows | Klare Richtung auf den Punkt gebracht

Zach Mathieu - Highs and Lows Review

Es lohnt sich einfach, die Band in den Aufnahmeraum einzusperren, auf Aufnahme zu drücken und abzuwarten was passiert. Denn dabei kommen herrlich rohe und authentische Platten wie das Erstlingswerk von Zach Mathieu heraus. Stilistisch bewegt sich das Quartett in den Genres, die mit “Post” beginnen und ich nicht einwandfrei auseinanderhalten kann. Direkt beim ersten Hören fällt auf, dass das bei weitem nicht die ersten zehn Songs sind die die Jungs bisher in ihrem Leben geschrieben haben. Das Songwriting ist unglaublich ausgereift und man hat nie den Eindruck, dass irgendein Riff aus der Not geboren wurde.

Den Auftakt von Highs & Lows macht Saint City. Das Intro des 4:06 Minuten langen Openers ist geprägt von effektschwangeren Gitarren und einen Beat der zwar nicht ganz rundläuft aber in den Sound wie der Arsch auf den Eimer passt. Persönlich musste bei dem Sound ein bisschen an Bands wie La Dispute, The Ordinary Me oder Escapado denken. Jedoch beschränken sich die Herren aus Schrobenhausen auf die konventionellen Gesangsarten. Über die ganze Länge des Albums sticht immer wieder das Zusammenspiel der beiden Gitarren ins Ohr, sie können sich ergänzen oder auch, wenn nötig, mit sich vereinten Kräften zu einem breiten, dominanten Sound verbinden. Hinzu kommt die Stimme von Gitarrist und Sänger Andreas Baierl die sich perfekt in den Post-Rock/Post-Punk Sound von Zach Mathieu einfügt. Track Nummer zwei hört auf den Namen Hopes and Dreams und zeigt im Refrain direkt mal, dass die Jungs auch eingängig können. Und nicht nur das. Zach Mathieu überraschen mit Call-Response Vocals von Chor und Leadsänger, die man an der Stelle nicht erwartet.

Direkt darauf folgt mein persönlicher Lieblingssong der Downtime-Songs des Albums. Eleonore fängt rhythmisch mit einem eher verrückten Intro an und wird in Strophen herrlich straight. Und: die Geschichte dauert ganze 2:48. Intro, Strophe, Refrain, das Ganze noch mal, ‘ne Bridge, Refrain und ein Ende, mit dem keiner rechnet. Geil!

Das absolute Highlight von Highs & Lows lauert an Platz 8 und heißt Burdens. Von Anfang an ist die Richtung klar, es geht nach vorne, das Intro scheppert schon ordentlich los, in der von Schlagzeug und Bass getragen Strophe nehmen das Quartett mal kurz den Fuß vom Gas. Nur um im Chorus dann die grobe Kelle auszupacken bei der den Rezipienten eine Gitarrenwand in die Fresse schlägt und er von einer Armee von wütenden Background Sängern in Grund und Boden geschrien wird.

Textlich merkt man allerdings, dass die Jungs nicht aus New York oder Los Angeles kommen, sondern aus Schrobenhausen. Es fehlt an manchen Stellen einfach der Swagger, mit dem wir Deutschen einfach nicht gesegnet sind und deswegen sind die Texte teilweise sehr berechenbar. Das macht die Platte jedoch nicht schlechter, es ist tatsächlich einer der wenigen Fälle wodurch das Gesamtpaket authentischer wirkt.

Highs & Lows ist ein absolut würdiges Debütalbum das es schafft Post-Rock- und Post-Punk-Songs fast natürlich mit eingängigen Punk-Rock-Songs zu kombinieren. Besonderes Burdens hat das Potenzial eine echte Hymne zu werden. Zum Erfolg hat sicherlich beigetragen, dass das Quartett die Songs drei Jahre auf diversen Touren ausprobieren und an den Feinheiten feilen konnte.

Die Fakten | Zach Mathieu – Highs & Lows

Album: Zach Mathieu – Highs & Lows
Genre: Post-Rock/Post-Punk
Länge: 10 Songs – 45 Minuten
Release: 15.09.2017
Label: Rookie Records

Who the fuck is… | Zach Mathieu

Mit den Wurzeln im Post-Hardcore der späten 90er Jahre, erinnern Zach Matthieu an die frühen Jimmy Eat World und Alternative Bands wie den Foo Fighters. Durch verschiedene Vorgängerbands reichen die Wurzeln des Quartetts bis in die frühen 2000er Jahre zurück. Unter dem Decknamen “Zach Mathieu” spielen sie seit 2013 und spielten bisher Tour-Support für Bands wie The Noise.

Review overview

Gesamt:7.5

Summary

7.5

Daniel
Musikalisch in vielen Welten zu Hause, gelingt der fließende Wechsel von elektronischer Utz-Utz-Musik bis hin zu verrücken Post-Hardcore immer. So lange es groovt oder rockt, aber vor allem ehrlich ist, landet es auf dem Plattenteller.

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