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Eminem vs. MGK – Die Beef-Chroniken 2018

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Der erste wirklich bedeutende Rap-Beef seit mehreren Jahren ist laut MGK selbst vorbei. Seine Begründung war, dass er seine – natürlich – schon komplett aufgenommene Antwort gar nicht erst droppen müsse, weil Eminems Antwort ja eh so schlecht gewesen sei. Naja, mal schauen ob er recht hat.

Ich werde hier weniger Wert auf die reine Musik legen, auch wenn das natürlich nicht gänzlich untergehen soll. Da die Geschichte nur Sinn ergibt, wenn wir in richtiger Reihenfolge durchgehen, fangen wir mit Rap Devil von MGK an. Und vorab: Der Beat ist der Shit. Der Beat knallt. Die ersten beiden Zeilen würden das auch, wenn er sich schlauer angestellt hätte:

Ayy, somebody grab him some clippers //
His fucking beard is weird //

Er bezieht sich auf mehrere Tracks von Eminem, auf denen dieser behauptet, dass man als Rapper, wenn man nicht mehr weiterweiß, einfach aufhört, sich zu rasieren, um dadurch nochmal von vorne anfangen zu können (Berzerk, Business). Das ist eine gute Idee, da Eminem ja eher für einen glatt rasierten Look bekannt war. Aber die Anspielung ist so minimalistisch, dass sie der Hörer – und der entscheidet ja letztendlich irgendwie, wer gewonnen hat – nur ganz selten versteht. Erster Schuss ging also daneben.

Es gibt aber wirklich einige Zeilen, die richtig gut gelungen sind. Das sind aber eher die, die nicht so stark wiegen, sondern eher die, die durch eine bärenstarke Delivery überzeugen:

Somebody help your mans up //
Knees weak of old age, the real Slim Shady can’t stand up!

Inhaltlich absolut belangloser Müll, dann ist Eminem halt 45, wow. Und? Aber durch die wirklich sehr gute Delivery wirkt die Zeile halt irgendwie trotzdem ein wenig. Eine inhaltlich wirklich ordentliche Zeile ist aber die folgende:

We know you get so nervous, Rabbit //
I see Momma’s spaghetti all over your sweater //
I wish you would lose yourself on the records //
That you made a decade ago, they were better //

Eminem spielt im Film 8 Mile (wer den nicht gesehen hat: ab mit dir, nachholen!) Rabbit, einen Underground-Rapper auf dem Weg an die Spitze. Eminem hat es sich nicht nehmen lassen, den Soundtrack dafür selber zu schreiben, Lose Yourself (wer den Track nicht kennt, der hört bitte auf zu lesen ab hier). Und all diese Fakten thematisch so in einen Kontext mit Eminems absoluter Hochform zu bringen, die halt faktisch wirklich fast zehn Jahre her ist (Recovery war 2010), ist schon echt stark.

Ansonsten hat der Track viele Oberflächlichkeiten, die ich langweilig finde. Es gibt unglaublich viele wirklich schlechte Zeilen über Eminems Alter, seine Größe (man kann ja nicht zu jemandem aufschauen, der kleiner ist als man selbst) und und und.

Mein Zwischenfazit zu Rap Devil fällt also aus wie folgt: Ein wirklich gutes Stück Musik, von jemandem, der weiß, wie man mit Worten umgehen muss. Der Flow ist nicht verkehrt, der Beat ist sehr cool, die Hook ist ordentlich, auch wenn ich dieses ganze Autotunezeug nicht so richtig abkann. Aber der eigentlich Diss? Naja, der bleibt so ein wenig auf der Strecke, mal schauen, ob ihm das nicht noch um die Ohren fliegt.

Und damit kommen wir auch schon zu Killshot Eminems Antwort an MGK. Und wer hofft, das Leichen fliegen wie bei Quantin-Tarantino-Filmen, den muss ich enttäuschen: MGK wird nicht vernichtet, ihm wird gezeigt, wo er hingehört. Das ist mindestens genauso unterhaltend, aber weniger vernichtend.
Eminem gibt sich viel Mühe, seine alteingesessenen Fans zu aktivieren, um sicherzugehen, dass er den Ring als Sieger verlässt. Und wie er das macht.

Realized I forgot to call you back //
Here’s that autograph for your daughter – I wrote it on a starter cap //

Diese Anlehnung an Stan ist einerseits ein Highlight, da er den Flow eines absoluten Hits aufgreift, und zum anderen ist sie beim zweiten Mal Denken super asozial. Wir wissen alle, dass Stan kein gewöhnlicher Fan ist, das ein oder andere psychische Problem hat und auch deswegen im dritten Part so über die Strenge schlägt und sich letzten Endes ja auch umbringt. Jetzt MGK mit Stan zu vergleichen, passt gleich doppelt: erstens ist Kelly bekennender Eminem-Fan und hat eine Tochter. Und zweitens behaupten viele, inklusive mir, dass es äußert unklug von ihm war, sich mit Eminem anzulegen. Man könnte also meinen, dass Rap Devil wie der dritte Part von Stan im Suizid endet.

Auch sehr amüsant fand ich, wie Eminem einen Fehler, also einen richtigen faktischen Fehler, quasi eine falsche Information aus Rap Devil umdreht und MGK als Idioten dastehen lässt.

Yo Slim, your last four albums sucked //
Go back to Recovery – oh shoot – that was three albums ago //
What do you know? Oops //
Know your facts before you come at me, lil goof//

Das ist einfach scheiße gelaufen Kelly, sorry. Es ist aber nicht alles Gold was glänzt in diesem Track, das muss auch gesagt werden. Machine Gun Kelly als Mumble-Rapper zu bezeichnen ist schlichtweg falsch, und seinen Man-Bun anzugreifen, kann man zwar machen, aber meine Güte, lass ihn doch eine hässliche Frisur tragen, wenn er unbedingt will. Mein Highlight des Tracks ist aber ein ganz anderes. Eines, dass MGK ultimativ kleinmacht und ihn wohl bei vielen von Eminems Fans auf ewig klein hält.

Killshot, I will not fail, I’m with the doc still //
But this idiot’s boss pops pills and tells him he’s got skills //
But, Kells, the day you put out a hit’s the day Diddy admits //
That he put the hit out that got Pac killed, ah //

Hier wird Eminems Mentor, Dr. Der, mit MGK’s Boss Diddy verglichen, der einer Theorie nach, den Mord an 2Pac organisiert oder in Auftrag gegeben haben soll. MGK so herabzuwürdigen, ist schon ein sehr guter Schlag, der durchaus gesessen haben dürfte. Da passt es nur umso besser, dass Killshot am 14. September veröffentlicht wurde, also genau einen Tag nach 22. Jahrestag 2Pacs Ableben.

Aber wer hat jetzt gewonnen, oder wer hat besser ausgeteilt? Das muss am Ende jeder selbst entscheiden. Was sich aber auf jeden Fall sagen lässt: Der Beef hatte ein hohes Niveau und egal, für wen man ist, Unterhaltung war geboten.

In meinen Augen hat MGK das leicht bessere Stück Musik veröffentlicht, was hauptsächlich am Beat liegt, denn der ist außer Konkurrenz. Aber Eminem hat sich auf das konzentriert, woraus es ankommt: den Diss. Bei Kelly waren so unendlich viele Oberflächlichkeiten dabei, dass mir der Text nach zweimaligem Hören absolut egal war. Das hat Eminem besser gemacht, bis auf zwei kurze Ausrutscher. Und darüber, dass Eminem der bessere Rapper ist, da muss man sich nicht drüber unterhalten. Er hat ihn technisch, den Flow und den Text betreffend einfach komplett aus auseinandergenommen. Wenn man einen Score haben will, sähe der bei mir so aus: musikalische Raffinesse an MGK, aber Flow, Technik und Text an Eminem, also ein recht deutliches 3 zu 1.

Tags : hip hop
Alex
„Lass mich mit deinem Gezappel in Ruhe, ich muss die Musik fühlen!“ Ungefähr so fühle ich mich immer wieder auf diversen Konzerten. Es kommt doch auf die ganzen kleinen Teile an, die das Ganze erst so toll machen. Und diese Faszination will ich mit euch teilen, also folgt mir auf meine kleine Reise durch alle Genres.

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