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Freedom Call – Master Of Light | Happy-Hippo-Power-Metal

Freedom Call Master Of Light

Who the fuck are… | Freedom Call

Freedom Call sind eine Power-Metal-Band aus Nürnberg, die 1998 von Frontmann, Sänger, Gitarrist und Keyboarder Chris Bay und Schlagzeuger Dan Zimmermann (mittlerweile bei Gamma Ray) gegründet wurde. Neben Bay ist heute nur noch Bassist Ilker Ersin (wieder) als Gründungsmitglied mit dabei. Die Band wird ergänzt von Lars Rettkowitz seit 2005 an der Gitarre und Ramy Ali (Ex-Primal Fear) seit 2013 am Schlagzeug).

Freedom Call werden gern als „klebrig-kitschig“ (Jens Peters, RockHard #355) bezeichnet, weil der Sound durch die Mischung aus viel Keyboard und gemeinsam-sind-wir-stark-Hymnen, dem ein oder anderen hartgesottenen Metaller so gar nicht in den Kram passt.
Thematisch bewegt sich die Band in leichter Kost zwischen Fantasy und Mythen, Engeln und Göttern – und werden es wohl nie schaffen, ein Album ohne das Wort „Warrior“ zu veröffentlichen. Damit muss man klar kommen.

Freedom Call – Master Of Light

Genre: Power Metal
Länge: 51 Minuten
Release: 11. November 2016
Label: SPV

Freedom Call – Master Of Light | Die Review im Detail

Es ist schleimig, schmierig, kitschig und so zuckersüß, dass dieses Album nichts für Jedermann ist. Selbst Power-Metal Liebhaber müssen hier eine Menge einstecken. Wenn Du also deinen stahlharten Metal bieder ernst nimmst, dann lass die Finger von diesem Wunderwerk der guten Laune und lies am besten auch nicht weiter. Du wirst nur deine Wutperücke auspacken wollen.

Kann man genug Metal-Hymnen auf den Metal haben? Selbst wenn, ist es Freedom Call egal, denn mit dem Opener Metal is for everyone haben sie nichts weniger geschaffen als eine mit Klischees vollgestopfte Ode an den Metal. Das Ganze ist so peinlich, dass es schon wieder fetzt. Ich verstehe jeden, der schon hier nach den ersten Tönen das Handtuch wirft.

Weiter geht’s durch das Metal-Wonderland mit Hammer Of The Gods. Ein Song bei dem Freedom Call ihrer Warrior-Attitüde mächtig kräftig treu bleiben und dabei selbstverständlich Migröhl-Potential fabriziert haben. Nach nur einmal hören bin ich diesen Hammer tagelang nicht losgeworden, denn Hammer Of The Gods ist ein Ohrwurm. Ob Du willst oder nicht.
Freedom Call sind eben melodisch, schnell und vor allem eingängig. All das ist dieser Song in Perfektion.

Spätestens bei Masters Of Light fühlst Du dich sowieso als allmächtiger Wikinger mit stählerner Brust, der zusammen mit seiner Wikinger-Crew gegen Drachen und Dämonen kämpft – alles für die Freiheit natürlich! Mit der Double-Bass in den Ohren wird man dann ins Licht geprügelt.

Natürlich dürfen die obligatorischen Balladen mit Akustik-Gitarre nicht fehlen. Cradle of Angels weckt die Erinnerung an ein mittelalterliches Lagerfeuer-Lied, dem man zwischendrin zu viel Zunder beigemischt hat. Mittelalterlicher Sound trifft auf den typischen Freedom Call-Chor und formt eine kitschig-glitschige Ballade, die ihre einzige Stärke im Refrain hat.

Bei Ghost Ballet drängt sich bei mir in den ersten Sekunden immer die Frage auf, ob sich nicht versehentlich ein Scooter-Song auf die Platte geschmuggelt hat. Aus diesem 90er-Keyboard-Gefrickel werde ich auch nicht schlau. Mag daran liegen, dass an dieser Stelle das Album arg ins Wanken gerät. Nimmt man die Gitarre weg, hat man einen astreinen Schlager-Beat, der mich schüttelt. Setzt aber der Happy-Hippo-Freedom-Call-Chor im Refrain ein, setzt auch wieder das All-For-One-Feeling ein, das ich so genial finde und wo ich wieder das Gefühl habe, zu wissen, wo der Song hin will. In den Strophen allerdings sitzt mir Helene Fischer zu dominant im Nacken.

Das ist so ärgerlich, weil Freedom Call das eigentlich besser verpacken können. Bestes Beispiel ist Rock The Nation, das so einen abartigen Schunkel-Beat hat, dass sich jeder mit einer Affinität zu Power-Metal nach 5 Bier auf den Tischen tanzen sieht. Das Ding hat einen Gute-Laune-Faktor, der entweder ansteckt und in debilem Dauergrinsen mündet oder einfach aggressiv macht. Ich feiere und verfluche Rock The Nation hemmungslos.

Rausgeschmissen (oder je nach Blickwinkel: erlöst) wird man mit High Up, das mit irischem Touch daher kommt und noch einmal das funny flower feeling der ganzen Platte in sich vereint. Viele verstreute Gitarrensoli und ein glücklich quiekender Chris entlassen dich letztendlich mit dem Gefühl, eine gute Zeit gehabt zu haben.

Freedom Call – Master Of Light | Meine Top 5

  1. Hammer Of The Gods
  2. Rock The Nation
  3. Metal Is For Everyone
  4. A World Beyond
  5. Hail The Legend

Freedom Call | Master Of Light Tour 2017

Deutschland & Schweiz

07.02. Köln, Underground
08.02. Aschaffenburg, Colo-Saal
09.02. Hamburg, Knust
10.02. Erfurt, From Hell
11.02. Pratteln, Z7
12.02. Stuttgart, club CANN
14.02. München, Backstage
15.02. Nürnberg, Hirsch
16.02. Bremen, Tivoli
17.02. Bochum, Matrix
18.02. Berlin, Badehaus

Review overview

Gesamt:8

Summary

8Grundvoraussetzung bei Freedom Call ist letztendlich, sich darauf einlassen zu wollen und auch mal ein Auge zu zudrücken. Wer bereit ist, sich und die Musik 50 Minuten lang nicht allzu ernst zu nehmen und eine Oase der guten Laune verträgt, wird an diesem Album seinen Spaß haben. Denn was man nicht vergessen darf: Es ist eine sehr gute Produktion. Dabei ist es zwar kein musikalisches Meisterwerk und auf die Texte hört man am besten auch nicht, aber das ist egal, wenn die Atmosphäre eines Albums stimmt – und das tut sie bei Master Of Light.

Miriam
Sie ist die Immer-In-Der-Ersten-Welle-Steherin. Meistens am Rand des Moshpit aufzufinden, um sich jederzeit in die Massen werfen zu können. Mit den Wurzeln im Punk Rock und der Faszination im Heavy Metal hört sie alles, was leise nicht zu ertragen ist und laut nie wieder aus dem Kopf geht.

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