Punk RockSpecials

Interview mit Hirsch von Montreal | “Ein Drittel Max Power”

Montreal Schackilacki Reviewcredits by Max Threfall

Montreals Bassist und Sänger Hirsch hat mir ein paar Fragen zu ihrem neuen Album Schackilacki, der besonderen Beziehung zu Osnabrück und ihren Lieblingsfestivals beantwortet. Dabei ist rausgekommen, dass Zwei Drittel Krach und Montreal einiges gemeinsam haben!

Viele Bands sagen ja (logischerweise), das aktuelle Album sei das beste. Also: Warum ist „Schackilacki“ das beste Album, das jeder unbedingt im CD-Regal stehen haben muss? Ganz abgesehen vom genialen und selbsterklärenden Titel.
Hirsch: Endlich mal jemand, der den Titel ohne Nachfragen versteht und wertschätzt! Wir haben die 31 Minuten und 15 Sekunden von Schackilacki noch konsequenter und (hoffentlich) kurzweiliger gestaltet, als bei den Platten davor – alles unnötige weggelassen und das ganze sehr “rau” aufgenommen – das erfreut sogar die Leute, die sonst immer sagen, dass nur die erste Platte super war.

Stichwort selbsterklärender Titel: Wer von euch ist auf den glorreichen Titel „Schackilacki“ gekommen und vor allem wieso?
Mist, zu früh gefreut 😉 Der Titel stand irgendwann im Raum – wer ihn da hingestellt hat, kann nicht mehr rekonstruiert werden, aber wir waren uns alle sehr schnell einig, dass wir unser 6. Album SCHACKILACKI nennen müssen, alleine schon wegen des Wohlklangs.

Gab es vor oder beim Songschreiben ein Thema oder eine Idee, die euch besonders wichtig war und die unbedingt aufs Album musste?
Nee, so konzeptmäßig gehen wir da nicht ran. Das ist immer Glücksache, welche Themen die liebe Muse einem da grad ins Ohr säuselt. Es war definitiv nicht so, dass wir gesagt haben: Diesmal MUSS endlich mal ein Lied über Osnabrück dabei sein und was zum Thema Kino. Das kommt wie es kommt und am Ende ist es hoffentlich ein bunter Mix an Themen und keine 12 Lieder über Maurer. Wobei…

Geht euch das Songwriting immer noch leicht von der Hand oder erwischt man sich schon mal dabei, dass man sich oder sogar andere unterbewusst kopiert?
Das ist auch sehr unterschiedlich. Einige Lieder sind ratzfatz fertig, an anderen laborieren wir seit 10 Jahren rum. Aber generell sind wir da schon schneller geworden – wir merken sehr schnell, ob ein Lied so funktioniert und zu uns passt oder ob man da vielleicht doch nochmal nen anderen Ansatz/Neustart probiert.

Als temporäres Nordlicht, das nicht weit weg von Osnabrück gewohnt hat, interessiert mich natürlich eins besonders: Wieso hat euch ausgerechnet diese Stadt offensichtlich so tief bewegt, einen Song darüber zu schreiben? Wieso nicht Oldenburg, Bielefeld oder andere Metropolen des Glücks?
Osnabrück war für uns immer ein besonders schwieriges Pflaster. Beim ersten Konzert haben wir genau ein (1) Poster für ein (1) Euro verkauft und das war’s – all time Merchminusrekord. Zudem gab es immer irgendwelche Querelen und wir wurden IMMER geblitzt in dieser Stadt, die dann auch noch so prahlerisch von sich behauptet, dass dort die glücklichsten Menschen der Welt wohnen – das Lied ist ein Aufarbeitungsversuch und eine ausgestreckte Hand an die Bürger Osnabrücks für einen gemeinsamen Neuanfang. Das Verhältnis Montreal-Osnabrück kann und muss noch gerettet werden!

In „Musik in meinen Ohren“ zählt ihr von Lady Di bis 9/11 ja einige schöne Verschwörungstheorien auf. Über welche könnt ihr denn am meisten lachen?
Die Theorie, dass Paul McCartney 1966 bei einem Autounfall gestorben ist und man ihn ersetzt hat, ist schon vorne mit dabei. Da hätte man wirklich ein sehr geschicktes Händchen gehabt bei der Auswahl des “neuen” – hat ja dann doch noch den ein oder anderen Hit rausgehauen.

Wenn ihr euch eine coole Verschwörungstheorie ausdenken könntet, die sich um Montreal ringt, welche wäre das? Oder gibt es schon welche, über die ihr euch amüsieren könnt?
Solche Theorien müssen von alleine kommen, das können wir ja nun kaum selber starten. Ich hab mal gehört, dass Leute denken, wir hätten Mische in den Bechern an unseren Mikroständern – auf was die Leute so kommen…

Wo wir gerade bei Kuriositäten der Geschichtsschreibung sind: Ihr habt es so schön in das Bild der „Idioten der Saison“ verpackt, dass gerade solche sich derzeit überregional vermehren. Hattet ihr da spezielle Individuen im Hinterkopf? Und welche Idioten stehen bei euch aktuell ganz oben auf der Speisekarte?
Wir haben in dem Lied ganz bewußt keine konkreten Akteure benannt, weil die Thematik zeitlos ist und das Lied idealerweise auch. Seitdem wir das Lied geschrieben haben, sind auch schon zahlreiche neue aufgetaucht und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. Es ist Wahljahr, da kommt also noch einiges an so Kandidaten auf uns zu!

Ihr seid ja derzeit auf einigen Festivals unterwegs. Gibt es welche, auf denen ihr besonders gern spielt? Und welche bevorzugt ihr als Besucher, habt ihr da Empfehlungen?
Wir spielen dieses Jahr zum ersten mal auf dem Hurricane, wo wir früher auch mehrfach als Gäste waren, das ist definitiv ein Highlight! Aber auch Deichbrand, Open Flair, Taubertal, Southside etc sind super und werden von uns immer gern bespielt – und es gibt viele kleine Festivals die liebevoll gemacht sind und wo wir top Abende hatten und haben: Eier mit Speck, Festung Rockt in Kronach, Oakfield, Trebur, Karben und und und… Als Besucher war ich zuletzt auf dem Ruhrpott Rodeo – bestes Line Up, nicht zu groß und günstige Getränke!

Nach welchen Kriterien stellt ihr eigentlich eure Setlist für Konzerte und Festivalauftritte zusammen? Gibt es da Unterschiede?
Unsere Clubkonzerte sind meistens länger, von daher können wir da natürlich tiefer in den Fundus greifen. Aber auch bei Festivals, wo wir nur 40 Minuten spielen versuchen wir, möglichst einen bunten Mix aus allen Alben hinzubekommen. Andere Bands spielen ja gern zur neuen Platte dann 7-8 Lieder von eben dieser, da muten wir unserem Publikum erstmal nicht so viel zu, eine Tour später werden es dann erst langsam mehr vom neuesten Album, wenn die Leute die Chance hatten, die Lieder kennenzulernen.

Dieser Blog trägt nicht umsonst den Namen „Zwei Drittel Krach“. Aus welchen Teilen besteht Montreal?
Da passen wir doch perfekt zu dir und deinem Blog! Wir bestehen auch aus Zwei Drittel Krach. Und aus einem Drittel Max Power!

Hirsch, vielen lieben Dank für die Beantwortung der Fragen!

Hier könnt ihr die Review zu Schackilacki lesen.

Miriam
Sie ist die Immer-In-Der-Ersten-Welle-Steherin. Meistens am Rand des Moshpit aufzufinden, um sich jederzeit in die Massen werfen zu können. Mit den Wurzeln im Punk Rock und der Faszination im Heavy Metal hört sie alles, was leise nicht zu ertragen ist und laut nie wieder aus dem Kopf geht.

Leave a Response