KonzertberichtePunk Rock

Live | Radio Havanna | Heiter bis sonnig, innen vereinzelt Schauer | The Tube, Düsseldorf | 21.04.2018

Konzertbericht - Radio Havanna - Düsseldorf, Tube - 21.04.2018Foto: Melany Milanovic (@lany.milano)

Ich bin mir sicher: Die Welt wäre eine bessere, gäbe es weniger Vorurteile. Meinen eigenen Beitrag zu einer besseren Welt habe ich dieses Jahr schon damit geleistet, dass ich mich auf Radio Havannas aktuelles Album Utopia eingelassen habe. Damit der letzte Rest meiner Vorurteile jetzt auch noch pulverisiert wird, habe ich mich getraut: Es ging zu Radio Havanna ins Düsseldorfer Tube!

Den Abend eröffneten aber zunächst Go Go Gazelle, die u.a. aus zwei Ex-Mitgliedern von Benzin bestehen. Das Trio spielt etwas, das nach der Musik von inzwischen gesetzteren Punks klingt: Mit cleaner Gitarre und gelegentlich einer Mundharmonika. Auch wenn ich anfangs skeptisch war, haben Go Go Gazelle es geschafft, das Publikum mit den wiedererweckten Genres der Antikriegslieder und der melancholischen Sauflieder für sich zu gewinnen. Und der Aufforderung, wild zu tanzen, konnte das Düsseldorfer Publikum dann auch nicht widerstehen. Sympathische Jungs und ein guter Einstieg!

Pünktlich enterten Radio Havanna die Bühne und eröffneten mit Unnormal den Abend. Oder sollte ich sagen: Den Abriss? Die Setlist legte den Fokus an diesem Abend auf Utopia, den letzten Output von Radio Havanna. Titel wie Homophobes Arschloch, Mein Name ist Mensch, Schwarzfahrer, Anti alles und Faust Hoch kamen beim Publikum genauso gut an wie ältere Songs der Suhler. Jeder Song wurde frenetisch abgefeiert und entweder mit wildem Tanz, mehr Crowdsurfern und Stagedivern, als überhaupt Menschen ins Tube passen, und sogar Wunderkerzen bedacht.

Du, lieber Leser, weißt doch, was ein Hexenkessel ist. Gegen das Tube an diesem Abend fühlt sich ein Hexenkessel aber an wie die Jahreshauptversammlung des Kaninchenzüchtervereins Ratingen-West e.V.

Im sehr engen, sehr niedrigen und sehr ausverkauften Tube stieg dementsprechend die Temperatur ins Unermessliche. Bei den ohnehin sommerlichen Temperaturen draußen dauerte es nicht lange, bis der unausweichliche Vergleich mit einer Sauna fiel. Entsprechend wurde dann auch statt einer Zugabe ein weiterer Aufguss gefordert. Mit den Wassermassen, die in großen Tropfen die Wände des Tube herabliefen und von der Decke regneten, hätte man vermutlich einen großen Teil der Sahara begrünen können. Denken wir mal nicht darüber nach, dass das alles Schweiß war…

Radio Havanna, die schon im Vorfeld angekündigt hatte, dass an diesem Abend geschwitzt werden solle, waren aber hervorragend vorbereitet und haben das Publikum regelmäßig mit Wasser versorgt, das brüderlich geteilt wurde. So muss das sein! Mit dem unausweichlichen Kaputt (ich find den Song immer noch doof, sorry. Was nicht heißt, dass ich dazu nicht hirnlos in den nächsten Pit springen könnte!) beendeten Radio Havanna diesen großartigen Abend und entließen das klatschnasse und stinkende Publikum aus dem tropischen Regen im Tube in die klare Düsseldorfer Sommernacht.

Scheiß auf Vorurteile!

Stefan
Sozialisiert wurde er von der besten Band der Welt – die ärzte. Schon bald entdeckte er die wundervolle Welt des Metal und radikalisierte sich wie ein einsamer Wolf immer weiter und genießt inzwischen alles von Heavy bis Black Metal. Nicht im Traum kann er an einem Moshpit vorbei, ohne selbst ein wenig Verwüstung zu hinterlassen.

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