Kolumne

Songs für Jimmy – oder: Drei Tracks für einen Freund

[Kolumne] Wie Musik uns prägt

Uns allen ist klar, dass James Sullivan, bekannt als „The Rev“, bis zu seinem plötzlichen Tod Ende 2009 ein integraler Bestandteil von Avenged Sevenfold war. Immerhin war er mehr oder minder allein verantwortlich für Tracks wie „A Little Piece Of Heaven“, die heute als absoluter Peak im Songwriting der US-Amerikaner gehandelt werden. Auf „Nightmare“, dem letzten Output der Gruppe, der noch zusammen mit James entstanden ist, findet sich dann auch „So Far Away“. Ein Track, den Gitarrist und Freund Synyster Gates zu Ehren des Verstorbenen geschrieben hat. Und zusammen mit „Save Me“ und „Fiction“ – welches angeblich den treffenden Projektnamen „Death“ innehatte – bildet der Track das letzte Puzzleteil einer traurigen Trilogie.
Doch was ist es, das mich vermuten lässt, dass diese drei Tracks nicht zwingend miteinander verbunden, aber doch auffällig viele Überschneidungen haben? Recht offensichtlich dreht es sich auf die ein oder andere Weise in allen dreien um den Tod. Während das in „Fiction“ und „So Far Away“ schnell deutlich wird, musste ich bei „Save Me“ ein wenig suchen, wurde aber schnell fündig:

„Save me
I’m trapped in a vile world
Where the ending’s all the same as every other
We’re only here to die.“

Oder:

„I could use some guiding light
Some place to go
If you hear me let me know
Tonight we all die young.“

Weiterhin ist die Position des Erzählers in den drei Tracks ein Hinweis: „Fiction“ ist eindeutig aus Jimmy’s Perspektive heraus erzählt, schließlich hat er ungefähr 90% der Vocals eingesungen. „So Far Away“ wird zwar aus einem „Ich“ heraus besungen, gemeint ist hier aber die Gruppe an Freunden als Ganzes, also alle vier verbliebenen Bandmitglieder – mindestens. Und „Save Me“ schwankt zwischen „Ich“ und „Wir“, und wirft Zweifel, rückblickende Fragen und Bedauern in den Mix. Besonders auffallend ist hier die letzte textliche Passage; „tonight we all die young.“ Es klingt fast so, als würde Jimmy’s Tod auch das Ende der Band bedeuten – was zum Glück ja nicht eingetreten ist.

Teil drei meiner Beweisführung bezieht sich auf die eigentlichen Texte der Tracks, denn hier kommt es zu gruselig präzisen Überschneidungen. Der Einfachheit halber: der Track, der als erstes erwähnt wird, wird auch zuerst zitiert.

Überschneidung 1: „Save Me“ und „Fiction“ und „So Far Away“

„Sorry did I wake your dreams?
Some questions are up to be
We only wake up when we sleep.“

Und:

„Gave you all I had to give
Found a place for me to rest my head.“

Und:

„Sleep tight, I’m not afraid
The ones that we love are here with me.“

Das Motiv des Schlafens wird in der Lyrik allseits bekannt ja sehr gern als Metapher für den Tod verwendet, und die englische Redewendung „to rest your head“ kann durchaus in zweierlei Richtung interpretiert werden.

Überschneidung 2: „Fiction“ und „Save Me“

„So tell everybody, the ones who walk beside me (yeah)
I hope you’ll find your own way when I’m not with you tonight.“

Und:

„Ever since the day you left
My fate’s been set alone
How many years to walk this path alone?“

Ich denke nicht, dass das sonderlich viel Erklärung braucht, oder? Viel offensichtlicher geht es meiner Meinung nach kaum.

Überschneidung 3: „So Far Away“ und „Fiction“

„I love you, you were ready
The pain is strong and urges rise.“

Und:

„Let it burn
Under my skin
Let it burn.“

Zugegeben, das ist etwas weiter hergeholt, aber es wäre schon ein sehr großer Zufall, dass so viele Motive in mindestens zwei der drei Tracks auftauchen.
Es gibt noch weitere Auffälligkeiten, das Thema der Angst oder auch Einsamkeit kommt euch in mindestens zwei Tracks entgegen. Auch Seele oder Gedächtnis, beziehungsweise das Bewusstsein, wird öfter erwähnt.

An dieser Stelle sei gesagt, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass alles davon geplant war, denn alle erwähnten Themen oder Motive sind gängig, wenn es um den Tod geht. Und dennoch: So etwas herauszufinden ist eine coole Sache, und hey, wer als Fan daran glauben möchte: Die Band hat sich nie dazu geäußert, weder bejahend noch verneinend.

Alex
„Lass mich mit deinem Gezappel in Ruhe, ich muss die Musik fühlen!“ Ungefähr so fühle ich mich immer wieder auf diversen Konzerten. Es kommt doch auf die ganzen kleinen Teile an, die das Ganze erst so toll machen. Und diese Faszination will ich mit euch teilen, also folgt mir auf meine kleine Reise durch alle Genres.

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